Weiße Tücher in den Weinbergen

Sicherlich haben sich viele schon gefragt, was die weißen Tücher bedeuten, die seit einigen Tagen die Lössböschungen am Ostrand des Höllenbrandes in der Gemarkung Westhofen zieren.

Die Gemeinde plant derzeit den Ausbau bzw. die Befestigung mehrere Wirtschaftswege im Rebgelände. Wie jeder Eingriff in Natur und Landschaft, so muss auch für die die Befestigung bisher unbefestigter Wege an anderer Stelle der Zustand der Natur verbessert werden.

Hierzu bieten sich in besonderem Maße die zahlreichen Lössböschungen an, welche die Rebhänge insbesondere in der Gewann 'Am langen Rech' gliedern. Hier sind viele der alten Trockenmauern verschwunden, beschädigt oder übererdet, was insbesondere dem seltenen Steinschmätzer, der Leitart des Höllenbrandes, schadet. Viele ehemals steile Böschungen mit Brutmöglichkeiten für viele Wildbienen sind durch fortschreitende Erosion so abgeflacht, dass sie komplett mit Gräsern und Stauden bewachsen sind. Deshalb finden die Insekten dort keine Möglichkeiten mehr zur Eiablage.

Zur Kompensation des Wirtschaftswegeausbaus werden nun die Lösswände in den Weinbergen herangezogen. Diese werden ökologisch wieder aufgewertet. Davon profitieren nicht nur die vielen Tiere, welche Trockenmauern, Steinhaufen und senkrechte Lösswände als Lebensraum nutzen. Auch für die Winzer ist dies von Vorteil, da für die Kompensation des Eingriffs durch den Wirtschaftswegeausbau kein wertvolles Rebland verloren geht.

Im Rahmen der Ausgleichsmahmen werden verfallene Trockenmauern wiederhergestellt, Steinhaufen als mögliche Brutplätze für Steinschmätzer angelegt und senkrechte Lösswandabschnitte geschaffen, die vielen Insektenarten als Fortpflanzungsstätte dienen können.

Bei den Umbaumaßnahmen müssen jedoch die dort bereits in großer Zahl lebenden und unter strengem Artenschutz stehenden Zauneidechsen berücksichtigt werden. Sie sollen natürlich weiterhin dort zuhause sein. Es muss gewährleistet sein, dass kein Tier bei den Arbeiten zur Aufwertung der Lössböschungen zu Schaden kommt oder gar getötet wird. Aus diesem Grund wurden Vergrämungsmaßnahmen in den betroffenen Bereichen ausgeführt, damit die Tiere temporär aus eigenem Antrieb in benachbarte Lebensräume umziehen.

Eidechsen verbringen die kalte Jahreszeit zurückgezogen in frostfreien Bereichen von Erd- oder Holzhaufen und schlafen dort, bis die Frühjahrssonne sie in ihrem Winterquartier erwärmt und sie aktiv werden lässt. Deshalb wurden die Vergrämungsschritte im Mai begonnen, als alle Tiere sicher wieder auf Umweltreize reagieren konnten. Die Vergrämung selbst erfolgte in mehreren Schritten, in denen die betroffenen Bereiche abschnittweise vom Aufwuchs befreit wurden, sodass für die Eidechsen keine Deckung vorhanden war. Dadurch nutzen sie diese Bereiche nur zum Sonnen und Jagen, sehen ihn aber nicht als Rückzugsort an und wandern in die geschützten Grasbestände ab. Ein paar Tage nach der Mahd wurden auf die nun freien Stellen Silofolien gelegt, die unter der Einstrahlung der Sonne ein Klima zwischen Boden und Folie entwickeln, welches Eidechsen nicht mögen. Durch offen gelassene Stellen konnten die Tiere, die sich unter der Folie befanden, aus eigenem Antrieb in die Nachbarbereiche umziehen. In drei Arbeitsgängen wurde gemäht und die Folie ausgelegt, um die Bereiche einzeln abdecken und durch die getrennten Schritte den Reptilien genug Zeit zum Wandern gewährleisten zu können.

Mit Beginn der Erdarbeiten werden die Folien entfernt und die Bereiche darunter sofort umgestaltet, um eine Rückwanderung der Zauneidechsen auszuschließen. Nach Abschluss der Arbeiten kann sich die Artenvielfalt in den Lösswänden entwickeln und abwechslungsreiche Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten bieten.  Auch die Zauneidechsen werden sich in den dann viel strukturreicheren Böschungsabschnitten wieder wohl fühlen.

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Einzelne Vergrämungsschritte. Die zuvor freigestellten Flächen werden einige Tage später mit Folie abgedeckt und neue Flächen werden  für den nächsten Schritt gemäht.

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Die drei Vergrämungsschritte sind abgeschlossen und die zu bearbeitenden Flächen sind komplett abgedeckt. Ausweichlebensräume stehen den Eidechsen in genügendem Maße zur Verfügung.

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