Bechtheim
Einwohnerzahl zum 30.06.2023: 1.853
Unterrichtung der Einwohnerinnen und Einwohner über wichtige Angelegenheiten der örtlichen Verwaltung gemäß § 15 GemO
In seiner Sitzung am 23.06.2026 befasste sich der Ortsgemeinderat Bechtheim mit folgenden Themen:
- Die Sport- und Kulturhalle erfüllt seit vielen Jahren ihre wichtige Funktion für das gesellschaftliche, kulturelle und sportliche Leben in der Gemeinde. So dient sie der Durchführung des Schulsports und steht den örtlichen Vereinen als Trainings- und Veranstaltungsstätte ebenso zur Verfügung wie für kulturelle Veranstaltungen. Die Halle ist inzwischen in die Jahre gekommen. Bei einer Überprüfung der Einrichtung durch den TÜV zeigten sich einige bauliche und technische Mängel. Der Rat beschoss daher, im Haushalt für die Jahre 2027 und 2028 Mittel einzustellen, um die notwendigen Maßnahmen an der Halle durchführen zu können. Bereits vorab soll eine Firma damit beauftragt werden, eine Überprüfung der Brandschutzklappen in der Lüftungsanlage vorzunehmen, um dort eventuell eine notwendige Reparatur auf den Weg zu bringen.
- Für die Sport- und Kulturhalle gibt es eine Benutzerordnung. Es wurde ausgiebig darüber gesprochen, wer und welche Einrichtungen die Halle nutzen dürfen.
- Der Betreiber der Gaststätte „La Fontana“ war durch die Ortsgemeinde ermächtigt, die Nutzungschips für die Kegelbahn in der Sport- und Kulturhalle auszugeben. Der Vertrag wird zum 30. Juni 2026 beendet. Es gilt nun abzuwarten, ob sich jemand findet, der diese Aufgabe in der nächsten Zeit übernimmt.
- Diskutiert wurde über eine Parkregelung in der Aegidiusstraße im Einmündungsbereich zur Schwanenstraße. Hier wurde der Straßenverkehrsbehörde vorgeschlagen, mit einem Verkehrsschild eine Regelung zu treffen.
- Es lagen zwei Spendenangebote vor. So möchte Frau Nicole Buscher der Kindertagesstätte „Kunterbunt“ mehrere Stühle und Tische im Wert von 400 € spenden. Der Förderverein Kunterbunt Bechtheim e.V. möchte für die neue Kindertagesstätte die Anschaffung von einem Gartenspielgerät sowie einer mehrteiligen Indoor-Kletterwand mit einem Betrag von 8.500 € finanziell unterstützen. Der Rat nahm beide Spenden an und bedankte sich herzlich bei den Spendern.
- Im nichtöffentlichen Teil ging es um Personalangelegenheiten sowie um die Herstellung eines Stromhausanschlusses für ein Privatgrundstück.
67574 Osthofen, den 26.06.2026
Wagner
Bürgermeister
Benutzungsordnungen Bechtheim
Haushalt Bechtheim
Satzungen Bechtheim
Text über Bechtheim von Altbürgermeister Wolfgang Thomas
Der alte Weinort Bechtheim, geschützt in einer flachen Mulde, ist rings von Reben umgeben. Wenn man den „Rastplatz voller Heimlichkeiten" betritt, ist man im Bezirk der Freude, der Wonne und der Weinseligkeit - heißt es in einer alten Chronik. Nach der Überlieferung nahm der fränkiche Edelmann „Berchto" hier sein Heim, aus dem sich der Name Bechtheim ableitet. Wegen seiner Kraft und Stärke ist ein Bär im Wappen symbolisiert.
Das Dorf kam im 9. Jahrhundert durch Schenkungen in den Besitz des Hochstifts Lüttich (Belgien) und die Chorherrn begannen um 1020 mit dem Bau der romanischen Basilika, die dem heiligen Lambertus geweiht ist. Sie kann mit ihrem Alter mit den romanischen Dombauten längs des Rheins wetteifern. So prägt sie Bechtheim als das „Kleinod im Wonnegau".
An dem alten Wehrturm, der heutige Kirchturm, ist nach einem Kirchenbrand im Jahr 1558 das Jahr des Wiederaufbaues „5544 nach Erschaffung der Welt" eingemeißelt. Ein Rätsel, das bis heute nicht eindeutig gelöst ist. Im 13. Jahrhundert wurde das Gotteshaus mit einem Hochchor zur Reliquienverehrung erweitert, unter dem sich der Pilgergang mit Ritzzeichnungen aus damaliger Zeit befindet.
Viel Volk durfte schon im Mittelalter auf dem Pilgerpfad in den Ort gekommen sein und den Durst dürfte man in den an der Kirche tief gelegenen historischen Brunnen, dem Lambertusbrunnen und Ägidiusbrunnen gestillt haben. Die vornehme Gesellschaft fand sich im „Wirtshaus zum fröhlichen Mann" ein, wo auch oft die Grafen zu Leiningen bewirtet wurden. Die Leininger Grafen waren seit dem 13. Jahrhundert die Dorfherren und Richter über Hals und Bein. Zeitweise hatten mehr als 20 Adelsfamilien hier ihren Herrensitz genommen, so dass der Ort den Beinamen „Dorf der Herrschaftshäuser" erhielt.
Besonderen Wert legte man schon damals auf die Qualität der Weinerzeugnisse. So gab es bereits 1628 die „Bechtheimer Weingartordnung" nach der verbotswidrig angelegte Rebstöcke „bei Straf“ ausgehauen werden mussten und der Leiningische Amtmann Susemihl fertigte 1780 die „ordentlich zu Papier gebrachte" strenge „Verordnung über die Abgrenzung der Rebanbaufläche," als „ewig gültiges Gesetz," nach dem nur „Rieslinge und Traminer" gepflanzt werden durften. In der Weingeschichte war hiermit die erste Terroir- Abgrenzung geboren.
Nach dem die Franzosen 1792 den Adel vertrieben und deren Besitze versteigerten, bestimmten sie Bechtheim zum Sitz einer Kantonsverwaltung. Der Kanton Bechtheim umfasste mit seinen 20 umliegenden Orten näherungsweise das Gebiet der heutigen Verbandsgemeinden Wonnegau und Eich.
Heute gehört die Weinbaugemeinde Bechtheim mit ihren rund 1900 Einwohnern und einer Gemarkungsgröße von 1334 Hektar, einschließlich der Rebanbaufläche von 628ha, zur Verbandsgemeinde Wonnegau und bemüht sich den Fremdenverkehr auch durch Übernachtungsmöglichkeiten zu fördern.
Der Ort ist mit seiner historischen Bausubstanz, seinem verwinkelten Ortskern, der schönen evangelischen Kirche, seinen Brunnen und dem Wein immer einen Besuch wert. Besonders das Bechtheimer Weinfest, das am 2. Wochenende im September stattfindet, ist ein Anziehungspunkt für Weinfreunde. Aber auch übers Jahr lohnt der Aufenthalt in Bechtheim.
So kann man auch auf dem Marktplatz am Marktbrunnen, am Obelisk mit ehemals in der Gemeinde geltenden Maßeinheiten, Interessantes erfahren. Zusätzlich stehen um den Brunnen zehn Stelen. Diese geben Aufschluss über Bechtheims Ortsgeschichte in unserer Region Rheinhessen.
Mehr kann man bei einem Ortsrundgang oder einer Kirchenbesichtigung erfahren, die ich als Verfasser dieser Zeilen gerne durchführe.
Wolfgang Thomas, Ortsbürgermeister a. D.